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Leseprobe GLOSSE
Soweit die Füße tragen
„Es wurde höchste Zeit“, sagt Lena und legt mir eine Sonnenblume zu Füßen. Doch diese Blume hat einen „Haken“. Sie ist nämlich gar nicht echt, sondern eine Sonnenblumen-Fußmatte.
Zunächst hat mich daran gar nichts weiter gestört. Unsere Nachbarn links haben kleine blaue Veilchen auf ihrem Abtreter und die rechts eine Schildkröte, die lacht und ein Auge zukneift. Einen Stock tiefer hab ich sogar eine Igelfamilie entdeckt, die zielstrebig über das Kokusfasern-Viereck trippelt. Ja, es herrscht Mattenfreiheit in Deutschland!
Doch dann trete ich in einen Hundehaufen und stehe mit verdreckten Schuhen vor unserer Sonnenblume.
Irgendwann hat Lena die Tür geöffnet und gefragt, ob ich den Abend lieber im Flur verbringen möchte und ob sie mir ein Glas Wein rausbringen soll.
Trotzdem hab ich es nicht übers Herz gebracht. Wie kann ein zivilisierter, also Blumen liebender Mensch, den Hundedreck an einer Sonnenblume abputzen? Gut, sie ist nur draufgedruckt, aber trotzdem. Das ist symbolisch und muss das Pech ja geradezu herausfordern.
„Ich weiß überhaupt nicht, was du hast“, sagt Lena. „Sieht doch hübsch aus!“
„Wie würdest du es finden, wenn ....
(Artikelbeginn)