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LESEPROBE

"Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet."

 

Gischt peitscht über das Deck, die Spanten knirschen und die Mann­schaft klammert sich an die Seile. Runter mit den Segeln und sich nur nicht seitlich von einem Brecher erwischen lassen. So ging es manchmal Wochen, bis es die völlig erschöpfte, frie­rende und veräng­stigte Mann­schaft mit ihrer Bark oder dem Vollschiff endlich ge­schafft hat­te: Die Umrundung des legen­dären Kap Hoorn. Mitten durch die kochende See und die eisigen Stürme, durch die ewige Finsternis und eine Wüste aus Was­ser, die sich bei Windstärke 12 in Gischt auflö­ste.

"Kap der Flüche", heißt noch heute diese gefürchtete Süd­spitze Südame­rikas. An 300 Ta­gen im Jahr herrscht in dieser "Wetterküche des Teufels" Sturm und Nebel. Nicht selten türmen sich die Wellen bis zu neun Me­ter hoch. Bereits Charles Dar­win schrieb: "Selbst der Teufel würde in dieser Hölle erfrie­ren". Und ein Kapitän notierte nach einem 80 Tage währenden Kreuzen in seinem Logbuch: "Kap Hoorn - das ist der Prüfstein der Seemann­schaft, der Inbe­griff aller Schrecknisse für die Fahrensleute auf den Windjam­mern."

Kein Wunder, dass sich hier auch das größte Seefahrergrab der sieben Weltmeere befindet. Auf achthundert Wracks wird dieser nasse Friedhof geschätzt. Die Gerippe von zehn­tausend Seeleu­ten sollen sich da unten auf dem Meeresgrund aneinan­der rei­ben.

Ihr Andenken in Ehren und die Tra­dition der Cap-Umsegler le­bendig zu halten, dieser Auf­gabe hat sich der wohl exklusiv­ste Seefahrerclub der Welt ver­schrieben: Der Internatio­nale Bund der Cap Horniers, der Bruderschaft der Bezwinger des Kap Hoorn.

Seit kurzem hat diese "Amicale In­ternationale Des Capitaines Au Long Cours Cap Horniers" einen deutschen Grand Mât. "Dieses Wort bedeutet Großmast und hört sich doch besser an als Präsident", sagt Kapi­tän Heiner Sum­fleth, der gerade diesen Job bei der 1936 von französi­schen Kapitänen in St. Malo gegrün­deten Vereinigung übernommen hat. Er ist der er­ste Deutsche, der die Hor­niers über die Wellen des Ver­einslebens steuert.

Mit seinen über 80 Jahren ist er ein verhältnismäßig "junger Kno­chen", denn....

(Artikelbeginn)

 Leseprobe

Wrackmuseum

Geschichten vom Grund der Meere

 

Tief unten, auf dem Grund der Meere haben sie einen letzten Ruheplatz gefunden. Die glücklosen Segler und Fischkutter, die Passagierdampfer und Schlachtschiffe, die im Tosen der Wellen versanken. Bei Wind und Wetter und oft genug mit Mann und Maus. Allmählich und Zentimeter für Zen­timeter wühlen sich die Schiffsleiber in den Sand, lassen die Seesterne und Fische vorbeiziehen und werden immer weniger. Selbst die Holzgerippe, die Eisenplatten und die Ta­kelage rotten und rosten dahin.

Geschätzte 4000 Wracks liegen allein in der Deutschen Bucht und wiegen sich dort im sanften Hin und Her der Gezeiten. Doch manchmal gibt das Meer eines dieser Wracks, seine Ausstattung oder Reste der Ladung wieder frei und die landet nicht selten im Cuxhavener Wrackmuseum.

Hier erzählen die Tassen und Kinderspiel­zeuge, der signierte Schuhlöffel des Ka­pitäns oder Gummikämme die Geschichte der Mannschaften und Schiffe. Sie geben einen Einblick in die kulturellen Vorlie­ben der Zeit, berichten von Tischsitten und Kunstgeschmack, von vergangenem Luxus und harter Arbeit.

Zum Sprechen gebracht hat diese Exponate der Museumsdirektor Peter Baltes, der zum ersten Mal 1978 mit seinen Fundstücken an die Öffentlichkeit ging. Inzwischen ist aus der Privatsammlung ein Museum gewor­den, das drei Etagen einer ehemaligen Schule füllt. Auch der Besucherstrom wurde immer breiter.

"Die Leute werden magisch von dem Geheim­nisvollen angezogen....
(Artikelbeginn)